Bahnstation Bauerbach

Bahnstation Bauerbach

Die Bahnstation Bauerbach wurde zur Eröffnung der Kraichgaubahn-Strecke Karlsruhe-Durlach-Bretten-Eppingen am 15. Oktober 1879 errichtet. Mit 210 Metern Höhe über dem Meeresspiegel ist der Bahnhof einer der höchst gelegenen Haltepunkte auf der 64,8 km langen Kraichgaubahnstrecke zwischen Karlsruhe und Heilbronn. Im Aufnahmegebäude befand sich ein Wartesaal mit Fahrkartenverkauf. Im oberen Stockwerk waren zwei Dienstwohnungen für den Stationsvorsteher und seinen Gehilfen untergebracht. Zur Verpflegung des Bahnpersonals standen ein Gemüsegarten, ein Kleintierstall – im Volksmund „Geißenstall“ genannt, sowie ein eigens angelegter Zugbrunnen zur Verfügung. Zur Bahnstation gehörte zudem ein Weichenstellraum, ein Nebengebäude mit Waschküche und ein Toilettenhaus für die Fahrgäste und eine Güterhalle mit Laderampe. Ein Gleisabzweig führte zu einer größeren Brückenwaage. 


Die Kraichgaubahn spielte lange Zeit eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung der Städte entlang der Bahnlinie. Zum einen beförderte die Bahn die zunehmende Anzahl an Fabrikarbeitern, die in den wachsenden Städten dringend benötigt wurden. Andererseits bot die Bahnverbindung schnellere und zuverlässigere Absatzwege im Güterverkehr, die auch in Kriegszeiten strategische Vorteile mit sich brachten. 


Als erster und einziger Schnellzug verkehrte auf dieser Strecke von 1906-1914 der Paris-Karlsbad-Express. Dieser Luxuszug führte Wagen von Calais und Paris über Straßburg nach dem damals böhmischen Kurort Karlsbad (heute Tschechien), wo er als Flügelzug an den Orientexpress angekoppelt wurde. Durch die zunehmende Motorisierung der Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die Kraichgaubahn als Verbindungsstrecke zwischen Karlsruhe und Heilbronn ab den 1960er Jahren zunehmend an Bedeutung. 1976 wollte die Deutsche Bundesbahn die Strecke stilllegen, was jedoch zu Protesten in der Bevölkerung führte und schließlich abgewendet werden konnte. Mit der Einführung der weltweit ersten Zweisystem-Bahnstrecke in Bretten 1992, bei welcher Bahnen sowohl im innerstädtischen Straßenbahnsystem als auch überörtlich im Eisenbahnnetz verkehren, wurde die Strecke wiederbelebt. Seit 1997 ist die Bahnstation Bauerbach Haltestelle des Karlsruher Verkehrsverbunds auf der Linie S4 Karlsruhe – Bretten – Eppingen. 2008 wurde das ehemalige Aufnahmegebäude von privater Hand übernommen und restauriert und steht heute als Denkmal der Verkehrsgeschichte des Kraichgaus unter Denkmalschutz. 

Bild oben: Das Aufnahmegebäude des Bauerbacher Bahnhofs von 1879

Bild unten: Rechts der sogenannte „Geißenstall“ (Fotos Privat)