Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Nico Morast

Herzliche Einladung

Am Sonntag, den 11. Januar 2026, begrüßte Oberbürgermeister Nico Morast die Gäste im Hallensportzentrum „Im Grüner“. Der Neujahrsempfang bot einen feierlichen Rahmen, um gemeinsam in das neue Jahr zu starten, auf das vergangene Jahr zurückzublicken und einen Ausblick auf kommende Entwicklungen in der Stadt zu geben. Die Besucherinnen und Besucher freuten sich über ein abwechslungsreiches Programm und die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. 

Lesen Sie hier die Neujahrsansprache von Oberbürgermeister Nico Morast. 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

sehr geehrte Damen und Herren,

geschätzte und willkommene Gäste,

95 Prozent aller Neujahrsansprachen im Land beginnen mit einem Zitat: Oft wird auf eine jahrhundertealte Weisheit zurückgegriffen.

Ich mache es heute anders:

Ich erinnere an ein Wahlversprechen aus meinem Wahlprogramm 2024:

„Bürgernähe soll ein Merkmal meiner Arbeit als Oberbürgermeister sein. Ich will kein gemächliches und gemütliches Weiter so. In Bretten braucht es mehr Informationen für die Bürger, mehr Transparenz, mehr Austausch, mehr Miteinbeziehung.“

Dass dieser Neujahrsempfang heute für ALLE Bürgerinnen und Bürger ist, ist kein Zufall – sondern Teil dieses Versprechens.

Nicht – wie mancherorts – ein Gipfeltreffen für eine Handvoll, für die oberen 100 oder 200. Nein, für ALLE unsere Bürgerinnen und Bürger. Bewusst ist dieser Neujahrsempfang öffentlich, weil ich nicht nur Kontakt haben will mit einem Teil, sondern mit der ganzen Bevölkerung. Mit Ihnen allen.

Nur so lässt sich Gemeinschaft als Merkmal für unser Bretten erreichen.

Politiker lassen sich nicht gerne an Versprechungen erinnern, weil sie nach kurzer Zeit oft zur Makulatur geworden sind. Ich habe Ihnen im Wahljahr 2024 mehr Bürgernähe - als bislang üblich - zugesagt. Ich lasse mich an meinen Versprechungen messen, heute – aber auch zurückblickend und erst recht vorausblickend.

Meine Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass auch ich Sie als Ihr Oberbürgermeister hier im Hallensportzentrum gleichermaßen herzlich begrüßen darf.

Mit Blick auf das Jahr 2026 wünsche ich alles Gute, Glück in allen Bereichen, privat und beruflich, viel Erfolg, wo auch immer, Wohlergehen, Lebensfreude, Zufriedenheit, Zuversicht, mehr Optimismus als Pessimismus und vor allem den Erhalt oder gegebenenfalls die Herstellung der Gesundheit.

Sehen wir, trotz aller schwierigen und wenig friedlichen Zeiten auf der Welt und auch im eigenen Land, mit viel Hoffnung, Vertrauen und Lebensmut in die Zukunft.

Liebe Zuhörer, liebe Gäste!

Der heutige Tag gibt uns die Gelegenheit, innezuhalten, an manches Ereignis zu denken, Bilanz zu ziehen - aber insbesondere mit Zuversicht und Vertrauen auf das noch junge Jahr 2026 zu schauen.

Drei weitere Neuerungen gibt es heute – neben dem Neujahrsempfang für alle unsere Bürger:

1. Eingeladen sind in schriftlicher Form erstmals alle Neubürgerinnen und Neubürger, die wir damit ganz besonders willkommen heißen.

2. Und alle, die im Jahr 2025 die Volljährigkeit erreicht haben. Auch über sie freuen wir uns in gleichem Maße.

3. Vereinsarbeit und Ehrenamt spielen für mich eine ganz besonders wichtige Rolle – deshalb präsentiert sich erstmals nach dem offiziellen Teil - ein Teil unserer Vereine in der Halle 2. In diesem Jahr sind die kulturschaffenden Vereine an der Reihe. Diese haben die Möglichkeit, sich der Bevölkerung, aber auch den Neubürgern und den gerade Volljährigen vorzustellen. Auch um sie mit unserer beispielhaften Vereinsarbeit vertraut zu machen. Und sie vielleicht dafür zu gewinnen.

Diese Präsentation wird in den kommenden Jahren mit anderen Sparten fortgesetzt.

Ja. Neue Ideen und frischer Wind sollen durch Bretten ziehen.

Bretten soll damit aber auch wärmer werden. Wir erleben derzeit sozial kälter werdende Zeiten. Einsparmaßnahmen im Bund und im Land sind in der Diskussion oder in der Umsetzung.

Ich will bei uns und auch hier und heute einen Ort der Gemeinschaft anbieten, ein Ort des Zusammenseins, der Harmonie, der Begegnung, der Kommunikation, der Herzenswärme.

Den diesjährigen Neujahrsempfang unter dem Motto: Gemeinsam für unsere Stadt.

Bretten ist kein anonymes Gebilde. Wir sind eine tolle, aktive, liebens- und lebenswerte Stadt.

Liebe Teilnehmer am Neujahrsempfang!

Beginnen möchte ich den Kern meiner Neujahrsansprache mit einem Rückblick, mit einer Bilanz unserer Arbeit im Rathaus und meiner eigenen Arbeit.

Gemeinsam mit dem Gemeinderat hat die Verwaltung die Grundlagen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit und eine erfolgreiche Entwicklung geschaffen.

Wir konnten zeigen, dass sich für viele Herausforderungen auch gute Lösungen finden lassen. Doch ich verhehle nicht: Äußerst viele Herausforderungen haben mich erwartet. Auch unnötige.

Ehrlich: Mit so vielen hatte ich vor meinem Amtsantritt nicht gerechnet. Es gab so Manches aufzuarbeiten. Dass das Pensum nicht innerhalb von ein paar Monaten zu schaffen ist, werden Sie sicherlich nachvollziehen können. Aber ich verspreche Ihnen: Ich gebe mein Bestes.

Für mich als OB ist Zukunft wichtiger als Vergangenheit. Gerne halte ich es hier wie der gute alte Goethe, der uns allen mitgibt:

„Erfolgreich zu sein, setzt zwei Dinge voraus: Klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu erreichen.“

Das sehe ich auch so.

Im vergangenen Jahr konnten wir 50 Jahre Große Kreisstadt Bretten feiern – aus 10 Teilen wurde 1975 ein Ganzes.

Da sich Bretten seit 2023 offiziell Melanchthonstadt nennen darf, wurden im Jubiläumsjahr 2025 neue Ortsschilder mit dem Zusatz "Melanchthonstadt“ angebracht.

Im Mittelpunkt meines ersten vollen Amtsjahres stand sicherlich die Nicht-Annahme des Gartenschau-Zuschlags: eine schwere – aber eine richtige Entscheidung - der Vernunft. Die Gründe lagen auf der Hand:

- Finanziell ließ sich das Projekt nicht mehr bewältigen.

- Zu weit fortgeschritten war die Zeit für notwendige Grundstücksgeschäfte und für weitere Weichenstellungen.

Seit der Bewerbung für die Gartenschau 2019 kam Manches nicht in dem erforderlichen Umfang voran, es stockte, es stand still – auch die Umgehungsstraße rückte in weite Ferne. Und es änderten sich die Rahmenbedingungen und die finanziellen Spielräume. Das Thema ist jetzt abgehakt.

Unser Ziel bleibt die Konzentration auf einzelne wichtige Projekte der Stadtentwicklung: so auf den grün-blauen Stadtumbau Withumanlage und auf die Sporgasse.

Nach dem starken Zeichen des Gemeinderats im Mai 2025, dass gemeinsam an der Entwicklung der Kernstadt gearbeitet werden soll, hat die Verwaltung verschiedene Ideen für eine Bürgerbeteiligung mit unterschiedlichen Fachbüros erörtert.

Neben einer umfassenden Einbindung der Bevölkerung liegt der Fokus hierbei auch auf einer zielgerichteten Kinder- und Jugendbeteiligung. Auch hier lasse ich mich an eine Wahlkampfzusage erinnern, der ich Priorität einräume:

Mehr Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit, bedarfsgerechte Kinderbetreuungsangebote und Weiterentwicklungen der Schulstandorte.

Der Gemeinderat hat im Mai 2025 beschlossen, den östlichen Bereich Sporgasse zu einem Stadtpark der Generationen zu entwickeln: gemeinsam mit der Bevölkerung.

Das Angebot Bürgerbeteiligung, das mir ein zentrales Anliegen ist, soll sich wie ein roter Faden durchziehen. Am 29. Januar wird mit einer Bürgerwerkstatt im Rathaus Bretten für das Sporgassenareal gestartet. In der extern moderierten Veranstaltung sollen Ideen aus der Bürgerschaft gesammelt werden.

Eine ganz persönliche Bitte: Bringen Sie Ihre Meinungen mit ein und nehmen Sie an den Veranstaltungen teil. Posts in sämtlichen social Media Foren bringen nicht den Mehrwert des persönlichen Austauschs und der Zusammenkunft.

Was haben wir noch im Repertoire?

Wir wurden mit dem Sanierungsgebiet „Stadtumbau Bretten“ ins Landessanierungsprogramm aufgenommen Es geht um neue Möglichkeiten der städtebaulichen Entwicklung. Der erste Aufnahmeantrag vom November 2024 wurde positiv beschieden. Uns wurde eine Programmaufnahme gewährt und ein Förderrahmen von 2,5 Millionen Euro bewilligt. Das kann sich sehen lassen.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

das Jahr 2025 zeigte vielfach: an Herausforderungen mangelte es wahrlich nicht: Im Frühjahr des vergangenen Jahres durfte ich teilweise aus der Presse erfahren, dass langjährige Traditionsunternehmen unserer Stadt den Standort Bretten verlassen: Ich meine nicht Neff – sondern die Bäckerei Thollembeek und die Pferdeklinik.

Ja, hier gab es verwaltungsbedingte Versäumnisse in der zurückliegenden Zeit. Aber wir klagen nicht, wir handeln. Wir sind mit beiden Unternehmen in Gesprächen. Und ich freue mich sehr, dass es uns in einem wahren Kraftakt gelungen ist, die verlorengeglaubte Pferdeklinik zurückzuholen und eine Zukunft am Standort Bretten zu bieten.

Um künftig mögliche verwaltungsinterne Schnittstellen zu verbessern, habe ich organisatorische Maßnahmen ergriffen.

Während die Standortverlagerungen von Thollembeek und die jetzt gottlob gerettete Pferdeklinik auch hausgemachte Probleme waren, hat die angekündigte Werkschließung „Neff“ von BSH wirtschaftspolitische Hintergründe auf EU-, auf Bundes- und auf Landesebene. Hier hat die Stadt ihre Hausaufgaben immer gemacht.

Leider sind unsere kommunalen Einflussmöglichkeiten begrenzt. Dennoch werden wir als Stadt und ich an vorderster Front alles uns Mögliche tun, um die angekündigte Werksschließung im 1. Quartal 2028 doch noch zu verhindern. Ein erstes, von mir initiiertes Gespräch mit dem Chef der BSH, hat im Beisein von Wirtschaftsministerin Dr. Hoffmeister-Kraut noch im vergangenen Jahr stattgefunden, ein weiteres ist in Abstimmung.

Wenn Sie von mir Redlichkeit erwarten, muss ich sagen: Es wird schwer, eine Lösung für den Erhalt des Produktionsstandortes zu finden.

Umso wichtiger ist es, dass sich unsere ganze Stadtgesellschaft solidarisch mit Neff zeigt. Eine gute Möglichkeit dazu besteht am 30. Januar um 17 Uhr – wo der Betriebsrat eine Menschenkette um das Werk organisiert – bitte unterstützen Sie diese Aktion.

„Hoffnung ist eine gute Sache, vielleicht die beste aller Sachen, und keine gute Sache stirbt je“, heißt eine Erkenntnis eines amerikanischen Schriftstellers.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

wir haben schon im Dezember unseren Haushalt mit dem Kennzeichen Weitblick einstimmig verabschiedet. Erstmals wieder so früh, wie seit Langem nicht mehr.

Wir hoffen jetzt auf eine schnelle Genehmigung durch das Regierungspräsidium, damit wir Planungssicherheit haben und die vorgesehenen Maßnahmen umsetzen können.

Wichtig: mit Maß und Ziel in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten.

Ein Aspekt spielt immer wieder eine Rolle in den Betrachtungen der einzelnen Haushaltspositionen:

In der Vergangenheit haben viele Kommunen ihre Verwaltungen aufgebläht (und mehr und mehr Personal eingestellt). Ohne groß an die Folgen zu denken und besonders an die langfristige Finanzierung dieser Entscheidungen.

Für die heute Verantwortlichen ist es eine unangenehme Aufgabe, auf die Bremse zu treten, an Einsparmöglichkeiten zu denken und auch an den gebotenen Abbau von Stellen, etwa wenn Pensionierungen anstehen oder Aufgabenfelder sich ändern.

Ich blicke auf die Zeit vor meinem Amtsantritt zurück:

- Die Personalkosten haben sich von 11,3 Mio. Euro im Jahr 2010 auf 22,6 Mio. Euro im Jahr 2024 innerhalb von 15 Jahren exakt verdoppelt.

- Die Zahl der Stellen hatte sich innerhalb von 10 Jahren von 240 im Jahr 2014 auf 340 Stellen im Jahr 2025 um 100 Vollzeitstellen erhöht.

Heute haben wir in Bretten etwas vorzuweisen, das nur ganz wenige Städte im Land vermelden können: Erstmals seit über 10! Jahren sind im Haushalt 2026 weniger Stellen als im Vorjahr vorgesehen. Das waren auch meine Bemühungen, die Personalkosten in Bretten nicht weiter ausufern zu lassen.

Auf der Grundlage unseres Haushalts ergibt sich die Aufgabe, Begonnenes zügig fertig zu stellen und Neues anzugehen.

Was waren, was sind die Schwerpunkte. Hier einige Maßnahmen im Schnelldurchgang:

Der generalsanierte Bronnerbau mit neuer Aula unseres Melanchthongymnasiums konnte 2025 seiner Bestimmung übergeben werden – ebenso

- die generalsanierte Jahnhalle mit Erweiterungsräumen für die Johann-Peter-Hebel-Schule

- Der Soccer-Court in Diedelsheim wurde eingeweiht – und der

- Spielplatz Sprantal neugestaltet.

- Der Klimabeirat hat seine Arbeit aufgenommen

- Der Erhalt des Nahkaufs im Herzen der Stadt auf dem Marktplatz ist gelungen

und auch Neues wurde begonnen

- vielfältige Straßenbaumaßnahmen

- die Erweiterung der Mehrzweckhalle Bauerbach und der

- Umbau des Leichtathletikstadions im Grüner zu einem Kunstrasenplatz

Das sind nur einige Beispiele.

Doch über allem, das wir angehen, schwebt die Frage nach der Finanzierung. Der Haushalt und die Finanzsituation machen uns, wie fast allen anderen Städten, große Sorgen.

Ging es früher noch darum, allerlei Wünsche und Geschenke in den Haushalt aufzunehmen, so ist angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen jetzt strikter Realismus mit der Konzentration auf das Notwendige gefordert.

Ich bekenne: Unsere Haushaltlage ist sehr angespannt. Auf viele Faktoren, die dazu führen, haben wir keinen Einfluss.

Das Konnexitätsprinzip als Grundsatz im deutschen Staatsrecht besagt: "Wer bestellt, bezahlt". Das heißt, die Kosten für eine öffentliche Aufgabe müssen von der politischen Ebene getragen werden, die diese Aufgabe uns zuteilt und diese zu verantworten hat.

Doch bei uns sind der Bund oder das Land fürs Bestellen zuständig – und wir fürs Bezahlen. So einfach geht das! Leider.

Meine Damen und Herren,

keine Frage, es besteht die Notwendigkeit, klare Prioritäten zu setzen und diese einzuhalten. Nur so können wir Kurs auf stürmischer See halten.

Für halbherzige Dinge bin ich nicht zu haben. Ich bevorzuge Klarheit und Konsequenz. Was heißt das mit Blick auf 2026?

- Kein Stellenzuwachs in der Verwaltung trotz aller Aufgaben und zunehmender Komplexität

- Vermeidung von Steuererhöhungen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, etwa bei der Gewerbesteuer. Aber auch, um unsere Bürgerinnen und Bürger nicht mehr zu belasten.

- Große Projekte werden sorgfältig und kritisch geprüft

- Aufgabenkritik gibt es bei Freiwilligkeitsleistungen;

- Sparsamer Umgang mit Steuergeldern und Fördermittelakquise

- Klare Ansagen gegenüber Bund und Land, dass zusätzliche Aufgaben für die Kommunen ausfinanziert sein müssen.

ALLE müssen sparen, der Bund, das Land, die Kommunen. Wir auch. Und wir müssen uns daran gewöhnen.

Zur Verdeutlichung dient ein Zitat von Manfred Rommel, dem früheren OB von Stuttgart. Er hat seinen Gemeinderat belehrt:

„Sparen heißt, Geld, das man nicht hat, nicht auszugeben.

Sparen erklärt er in der Sprache der einfachen Mengenlehre:

Wenn man aus einer Kasse, in der 100 Mark drin sind,

300 Mark rausnimmt, muss man erst wieder 200 Mark reintun,

damit nichts mehr drin ist.“

Also … relativ einfach.

Liebe Gäste,

wo sehe ich vordringlichen Handlungsbedarf für unser gemeinsames Ziel, Bretten voranzubringen und zukunftstüchtig zu machen:

1. Wir brauchen eine Stadtentwicklung mit Weitsicht.

Das geht auch ohne Gartenschau. Wir wurden ins Sanierungsgebiet aufgenommen. Der Umbau der Weißhofer Straße ist im Sommer abgeschlossen. So bekommen wir mehr Aufenthaltsqualität für die Innenstadt.

Dass ein solcher Umbau – Herausforderungen mit sich bringt, ist unvermeidbar. Umso wichtiger ist es, dass wir in dieser Zeit gut mit den Anliegern und den Einzelhändlern kommunizieren. Wir haben einen Newsletter als neue Informationsquelle ins Leben gerufen, kurzfristige zusätzliche kostenlose Parkplätze in der Wassergasse geschaffen, Leitsysteme erstellt und ein unbürokratisches Baustellenförderprogramm gestartet, zusätzlich vielfältige Aktionen, wie Kinderbaustelle, Baustellen-Bummel, etc. durchgeführt.

Wenn, wie in der vergangenen Woche in den BNN geschehen, durch die Baustelle gebeutelte Einzelhändler öffentlich sagen „Wenn es geht, kümmert sich der OB um unsere Belange, ohne den Amtsschimmel herauszuholen“ – dann zeigt das, dass wir auch Herausforderungen gemeinsam gut gemeistert bekommen.

Ich hoffe und bin zuversichtlich, dass die Neugestaltung und der städtebauliche Mehrwert bald überwiegen.

2. Beim Thema Windenergie ist der Regionalverband den Argumenten der Stadt leider nicht gefolgt. Wir haben in der 2. Beteiligungsrunde nochmals versucht, gegenzusteuern – leider ohne Erfolg. Zu Beginn des Verfahrens war ich noch nicht im Amt. Ob ich als OB seinerzeit eine Änderung hätte veranlassen können, weiß ich nicht. Keine sonstige Kommune wird konfrontiert mit insgesamt 8 Standorten innerhalb des Stadtgebiets sowie im direkten Umfeld und in allen Himmelsrichtungen.

Deshalb haben wir ein sogenanntes Flächenpooling angestoßen, um über dieses Modell als letzte Möglichkeit noch auf kommunaler Ebene nach-steuern zu können. Die Abfrage unter den Eigentümern, ob sie mitmachen wollen, läuft derzeit noch.

3. Unser Ziel: Mehr Kostencontrolling bei kommunalen Baumaßnahmen

Baumaßnahmen und Projektentwicklungen von Investoren sind überall aufgrund der Konjunktur und Wirtschaftskrise – auch in Bretten - ins Stocken geraten. Wir haben gute Signale, dass es im Jahr 2026 mit größeren privaten Baumaßnahmen weitergeht (zum Beispiel:LIDL-Areal, Apothekergasse - St. Laurentius, Gesundheitscampus Bretten Mehrgenerationenhaus / Wohnen auf dem Rechberg, und ich hoffe, dass wir auch für das Rössle-Areal eine Lösung finden).

Das stimmt zuversichtlich, denn die Stadt kann nicht alles selbst machen, sondern ist auf Investitionen von Privaten angewiesen.

Die vorhandenen Signale zeigen: Bretten ist als Mittelzentrum attraktiv und zukunftsfähig – für Investoren, für Gewerbe und als Wohnort.

4. Ich bin dem Gemeinderat dankbar, dass er die mutige Entscheidung getroffen hat, das Anwesen Pforzheimer Straße 46/1 – mit einer Größe von über 1 Hektar - zu erwerben. Das Grundstück – besser bekannt als SBS-Areal - bietet perspektivisch ein wichtiges städtebauliches Entwicklungspotenzial in einer 1-A-Lage, direkt neben dem Kraichgau-Center.

5. Der Ausbau des barrierefreien Bahnhofs soll im 1. Halbjahr beginnen. Ich war im November zu persönlichen Gesprächen in Stuttgart, wo mir der Zeitplan zugesichert wurde. Im Februar soll im Gemeinderat die Vorstellung der Planung erfolgen. Hinzu kommt der barrierefreie Ausbau der weiteren großen Haltestellen durch die AVG.

Die Überschrift über unser Tun und Handeln lautet nach wie vor: Bretten attraktiv machen und attraktiv halten.

Dazu gehören neben Investitionen auch weiche Standortfaktoren – soft skills:

1. Weinmarkt mit erweitertem Konzept. Wieder 5 Tage mit Laube.

2. Kulturveranstaltungen trotz finanziell schwieriger Zeiten (z.B. After Work, Kulturbühne, Bretten live) – und wenn es nach mir geht – auch ein temporärer Stadtstrand – mit Spielmöglichkeiten, Aufenthaltsqualität und Events - auf dem Deckel der Tiefgarage in der Sporgasse - bis das Konzept mit Bürgerinnen und Bürgern entwickelt ist.

3. Unsere Freiwilligkeitsleistungen bleiben

Anmerkung dazu: Viele Kommunen setzen den Rotstift zunächst bei den Freiwilligkeitsleistungen an. Von einer „Liste des Grauens“ ist etwa in Karlsruhe die Rede. Für mich wäre diese Vorgehensweise auch ein Affront gegen das Ehrenamt.Ich will das Ehrenamt fördern und stärken. Auch mit gezielten Investitionen in die Infrastruktur und Investitionsförderungen der Vereine (z.B. Kunstrasenplatz Im Grüner, Förderung Trainingsplatz Kickers Büchig, Förderung neue Gymnastikhalle TV Bretten, neue Jahnhalle, Ausbau Mehrzweckhalle Bauerbach, neuer Bürgersaal in der Schulturnhalle in Rinklingen.)

Weitere Maßnahmen der Attraktivitätssteigerung sind:

- Erfolgreiche Wiederöffnung des Pfeiferturms - auch als Wahrzeichen Brettens und Symbol für ehrenamtliches Engagement.

Seit der Wiedereröffnung am 26.10. wurden über 41 Führungen mit über 800 Teilnehmern angeboten. Das zeigt das Interesse und die Bedeutung.

- Der Zunftbaum steht wieder auf dem Marktplatz und steht für ehrenamtliches Engagement sowie ein starkes Handwerk in unserer Stadt.

- Wir stärken die Sicherheit bei Veranstaltungen, haben Amoksperren beschafft. Denn: „Wir lassen uns das Feiern nicht verbieten“ (und das gilt auch für das Peter-und-Paul-Fest)

- Wichtig sind mir die Innenstadt und Einzelhandel. Es gilt, die Gastronomie zu stärken. Stichworte sind Förderprogramm Einzelhandel, ausreichend Parkmöglichkeiten.

- Aber nicht nur in der Innenstadt geht es um Einzelhandel: Im Stadtteil Büchig arbeiten wir mit Nachdruck an den Voraussetzungen, dass sich ein Netto-Mark ansiedeln kann. Mit den Grundstückseigentümern konnte Einigkeit erzielt werden, derzeit laufen Boden- sowie Arten und Naturschutzrechtliche Maßnahmen.

- Das Ärztehaus in der Sporgasse ist erstmals vollständig bezogen. Jetzt können wir noch vorhandene Mängel beseitigen, Nachbesserungen und Optimierungen – auch im Bereich der Tiefgarage vornehmen:

Ich habe auch bereits veranlasst, dass auf den Hauptverkehrswegen automatische Türen nachgerüstet werden. Wir werden die Maßnahmen im 1. Halbjahr 2026 umsetzen – es wird unvermeidbar sein, dass dafür die Tiefgarage nochmals mehrere Wochen gesperrt werden muss.

- Wir brauchen auch attraktive Ortseingangssituationen (Gestaltung Kreisverkehre, z.B. Pforzheimer Straße und Gölshausen). Und insgesamt eine weitere Aufwertung des Stadtbildes.

- Wir werden uns um die Mobilität kümmern: Lärmaktionsplan und Radwegekonzeption sind hier für 2026 die Schlagwörter.

- Im Blick haben wir auch das Thema Gesundheitsförderung mit neuem Projekt „Macherstadt“, wo wir alle Ärztinnen und Ärzte im Januar zu einem Netzwerktreffen eingeladen haben.

- Nichts geht ohne Vernetzung: Deshalb ist für 2026 auch die Planung und Durchführung eines Netzwerktreffens für Gewerbetreibende und Unternehmen in Planung. Ein solches Format soll neu ins Leben gerufen werden und erstmals im 1. Haushaltsjahr 2026 stattfinden.

Dem Blick nach außen muss auch der Blick nach innen folgen:

Um Erfolge einzufahren, brauchen wir eine schlagkräftige und bürgerfreundliche Verwaltung. Die gerne arbeitet, Herausforderungen annimmt und mit den Abläufen zufrieden sein kann. Dazu trägt das neue Dritte Dezernat Stadtentwicklung, Bauen und Natur bei, das vor kurzem den Betrieb aufgenommen hat.

Die organisatorische Neuausrichtung dient dazu, noch effektiver zu sein und die Verwaltung optimal auszubauen. Und die Bürgerfreundlichkeit zu stärken.

Was ist noch festzustellen:

- Wir haben nun einen Ersatz für den alten - rechtlich nicht korrekten – sogenannten Brettener Weg der außertariflichen Bezahlung der Mitarbeiter gefunden.

- Wir praktizieren ein intensives Kennenlernen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa bei Team-Besprechungen oder bei der eingeführten Mitarbeitersprechstunde.

- Wir wollen und werden Bürger und Gremien einbeziehen und mitnehmen. Denn wir verstehen uns als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger.

- Die Stadtteilentwicklungskonzepte beginnen in den ersten Stadtteilen im 1. Halbjahr 2026.

- Ich verbürge mich für eine volle Transparenz gegenüber dem Gemeinderat und stelle eine insgesamt sehr konstruktive Zusammenarbeit fest. Danke dafür.

- Ich bin viel auf Veranstaltungen unterwegs und habe als OB immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Im Wahlkampf hatte ich versprochen:

Ich will kein Sprechstunden-Oberbürgermeister, sondern ein Ansprechoberbürgermeister sein.

Dass so viele Bürgerinnen und Bürger mit ihren Anliegen immer wieder direkt auf mich zukommen, ist ein großer Vertrauensbeweis – bringt mich aber auch manchmal an Kapazitätsgrenzen. Ich räume dies offen ein.

Gelegentlich wird mir geraten, kürzer zu treten. Mit Gelassenheit und Geruhsamkeit. Möglichst niemanden zu überfordern.

Ich sage offen: Dafür bin ich nicht gewählt worden. Verantwortung bedeutet für mich nicht Bequemlichkeit, sondern Arbeit, Einsatz und Fleiß.

Eingangs habe ich gesagt: Manche Politiker wollen nicht an ihre Versprechen erinnert werden.

Ich gehe damit offensiv um: Was habe ich versprochen, was gehalten?

Einige Beispiele zur Auswahl:

- Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung zurückgenommen.

- Umrüstung auf LED wird vorangetrieben.

- Zum Thema Gartenschau alle Zahlen, Daten und Fakten auf den Tisch gelegt und umfassend informiert

- (Bürger-)Service-Angebote in den Ortsverwaltungen ausgeweitet – auch mittels Bürgerkoffer

- Dienstleistungsgedanken der Verwaltung gestärkt und in den Mittelpunkt des Handelns gestellt

- Zusammenspiel von Kernstadt und Stadtteilen gefördert

- Alle Ortschaftsräte und viele Veranstaltungen auch in den Stadtteilen besucht und ein enger Austausch mit den Ortsvorstehern gepflegt

- Veranstaltungen zum Jubiläum „50 Jahre Große Kreisstadt“ durchgeführt. Damit konnten wir zeigen, dass Bretten eine Einheit ist und wir an einem Strang ziehen

- Die Sonderhaushaltsmittel für die Stadtteile deutlich auf 10 Euro pro Einwohner angehoben. Meine Meinung: Die Ortsvorsteher und Ortschaftsräte wissen am besten, wo das zusätzliche Geld vor Ort am sinnvollsten gebraucht wird.

Wir Städte und Gemeinden fordern von Bund und Land immer, dass Gelder möglichst unbürokratisch abgerufen werden können – getreu dem Motto: Mehr Verantwortung den Kommunen überlassen.

Was wir von Bund und Land fordern, sollten wir auch selbst beherzigen. Und wir tun es in Bretten mit aufgestockten Budgets für die Stadtteile.

Ich bin sehr dankbar, was in unseren Stadtteilen im Ehrenamt alles geleistet wird. Deshalb ist es mir wichtig, das Engagement vor Ort bestmöglich zu fördern: nicht mit Worten und Worthülsen, sondern mit Taten.

Mein Dank gilt an dieser Stelle allen Ehrenamtlichen - besonders unserer Feuerwehr und allen Hilfsorganisationen.

Die Verabschiedung des neuen Feuerwehrbedarfsplanes erfolgt im 1 Halbjahr 2026. Ich denke, Bretten ist gut aufgestellt. Übrigens: Derzeit sind wir an den Planungen für das Feuerwehrhaus in Gölshausen.

Was gehört noch zu unseren Zielen?

Die Ausweisung von dezentralen kleineren Baugebieten in den Stadtteilen. Familien, die zusammenbleiben möchten, sollen auch zusammenbleiben können.

Ich will eine ausgewogene soziale Struktur.

In Bauerbach starten wir im 1. Halbjahr mit der Erschließung des Baugebiets Weiherbrunnen. In anderen Stadtteilen planen wir mit Hochdruck an kleinen, bedarfsgerechten Baugebieten.

Wir haben derzeit noch wenige gewerbliche Flächen im Industriegebiet Gölshausen.

Wir sind in Gesprächen, was das Gewerbegebiet Vordere Schmalzhälde anbelangt.

Doch dann haben wir kein Entwicklungspotenzial mehr. Weil keine Flächen im Regionalplan mehr enthalten sind. Hier müssen wir dringend Gespräche aufnehmen.

Bretten als Mittelzentrum kann es sich nicht erlauben, perspektivisch keine Gewerbeentwicklung am Standort zu ermöglichen.

Ein wichtiges Projekt ist die Schwandorfschule Diedelsheim. Die Sanierung der Gebäudeteile A-B und C ist mit kalkulierten Kosten von rund 26,5 Millionen Euro das umfangreichste Bauprojekt in der jüngeren Stadtgeschichte Brettens.

Derzeit sind wir in intensiven, schwierigen Abstimmungsprozessen mit den Planern und hoffen, dass wir noch im 1. Quartal 2026 den finalisierten Entwurf verabschieden können. Dann gilt es, sofort mit den Ausschreibungen zu beginnen. Ziel ist ein Baubeginn noch in 2026.

Den Gesamtkosten stehen voraussichtlich Förderungen in Höhe von rund 10 Mio. Euro gegenüber, so dass sich die bei der Stadt verbleibenden Kosten auf rund 16,5 Mio. Euro belaufen.

Es gilt aber noch einige Punkte verbindlich abzustimmen.

Hier knüpfe ich an das an, was ich eingangs gesagt habe:

Betreuung und Bildung unserer Kinder haben Priorität.

Denn Bretten steht für Kinder-, Jugend- und Familienfreundlichkeit.

Geneu dazu passt auch das neue Konzept der Weißhofer-Galerie:

Hier arbeiten wir an einem neuen, ergänzenden Nutzungskonzept mit der Vermietung einer Einheit (ehemals Wohn und Co) im Bereich der Gesundheitsmedizin.

Für die Dachterrasse und das Obergeschoss sind wir in konkreten Planungen für eine neue zeitgemäße Bücherei im Herzen unserer Stadt. Ich bin zuversichtlich, dass wir erste Planungen zeitnah der Öffentlichkeit vorstellen können.

Bretten als Schulstadt und als Geburtsstadt des berühmten Melanchthon hat hier Nachholbedarf. Ich bin überzeugt, dass wir einen Mehrwert für alle generieren können. Literatur und Bildung ist heute wichtiger denn je - für alle Altersstufen.

Ich ärgere mich,

wenn ich fast täglich das Larifari-Versprechen von oben höre, der exzessiven Bürokratie müsse endlich Einhalt geboten werde. Worte – doch es tut sich nicht viel.

Wir brauchen einen wirkungsvollen Bürokratieabbau, der die Bürgerinnen und Bürger und die Verwaltungen entlastet. Schluss mit dem Dauergeschwätz von weniger Bürokratie, die in Wirklichkeit immer mehr wird.

Die Verantwortlichen bitte ich, Nägel mit Köpfen machen.

Es geht hier nicht nur um die öffentlichen Verwaltungen – sondern auch ausdrücklich um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

Kürzlich habe ich gelesen – und geschmunzelt:

Wenn sich die Bürokratie weiterhin so ausbreitet wie bisher, wird Gott die nächste Sintflut nicht mit Wasser, sondern mit Papieren und Formularen vornehmen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

liebe Gäste,

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“

Nirgendwo sonst in Deutschland wird dieser Satz von Erich Kästner von so vielen Menschen beherzigt wie in Baden-Württemberg.

Rund 50 Prozent unserer Bürgerinnen und Bürger hier im Land sind ehrenamtlich engagiert: im Sport und in der Kultur, in Jugend- und Selbsthilfegruppen, in den Kirchen oder im Umweltschutz. Mehr als 50 Prozent dienen der Gemeinschaft.

Und Bretten ist vorn mit dabei.

Wir lesen: Die Lebenszufriedenheit in Deutschlands Städten sei gestiegen. Besonders gut schneiden kleinere Städte ab, die familiär, beschaulich, sicher und grün geblieben sind.

Bretten hat diese Voraussetzungen auch. Und muss sie nutzen.

Es ist der Charakter, der eine Stadt ausmacht. Und da hat unsere Stadt auch 2025 wieder Charakter bewiesen, auch im übertragenen Sinne Brücken gebaut, Netze gespannt, unsere Bürgerinnen und Bürger, Jung und Alt, Hauptamtliche und Ehrenamtliche haben sich über die Maße persönlich engagiert.

Ich empfinde Hochachtung und Dankbarkeit vor der Leistung einer so großen Zahl von Menschen, die für alle in unserer Stadt - im Sicherheitsbereich, im Sozialen, im Sportlichen und im Kulturellen unser aller Leben ermöglichen und bereichern. 

Gerne möchte ich an dieser Stelle ein Zitat des mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin aufgreifen, das ich im vergangenen Jahr bereits bei unserer Personalversammlung verwendet habe:

„Für Wunder muss man beten, für Veränderungen arbeiten.“

Wenn Sie, liebe Brettenerinnen und Brettener, den ersten Teil übernehmen,

kümmere ich mich gerne um den zweiten.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Ihr

Nico Morast

Oberbürgermeister der Stadt Bretten