Ehemaliges Schulhaus, Gemeindebackhaus und Kindergarten

Ehemaliger Kindergarten Bauerbach

Das 1819 errichtete zweistöckige Gebäude diente bis 1862 als Schulhaus. Nach dem Umzug der Schule in das ehemalige Speyerische Amtshaus wurde es ab 1865 als Gemeindebackhaus verwendet. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es in Bauerbach üblich, dass die Bürgerinnen und Bürger ihren zu Hause angesetzten Brotteig im Gemeindebackhaus buken. 1909 übernahm der Bäcker Wilhelm Müller das Haus und richtete dort seine Bäckerei ein. 

Bild: Dr. Edwin Müller


1934 erwarb der in Bauerbach geborene Rechtsanwalt und Mäzen Dr. Edwin Müller das Gebäude in öffentlicher Versteigerung und ließ dort einen Kindergarten und eine Schwesternwohnung einrichten, die er der katholischen Pfarrei zu Verfügung stellte. Nach seinem Ruhestand lebte er im Obergeschoss dieses Hauses und wurde dort von den Nonnen bis kurz vor seinem Lebensende versorgt und gepflegt. Sein Vorhaben, das Haus nach seinem Tod der Gemeinde zu überlassen, scheiterte. 1969 wurde die Schwesternstation aufgegeben, 1971 zog der katholische Kindergarten in die Fröbelstraße um. 1979 verkauften seine Erben das Gebäude, bestehend aus einem Vor- und Hinterhaus, weiter. Im Flur des Gebäudes erinnert eine Steintafel an die Geschichte des Hauses und an die Einrichtung von Kindergarten und Schwesternwohnung.

Bild: Gedenktafel

Dr. Edwin Müller war eine schillernde und vielseitig interessierte Persönlichkeit. Er wurde am 1. Oktober 1876 in Bauerbach geboren. In seiner Jugend wollte er Priester werden, doch den Eltern fehlten die Mittel um sein Studium zu finanzieren. Mit Hilfe von Spenden aus der Bürgerschaft und dank eines Stipendiums konnte er dennoch sein Theologiestudium aufnehmen. Noch während des Studiums entschied er sich Rechtswissenschaften zu studieren und beschäftigte sich eingehend mit Rechts- und Kirchengeschichte sowie Rechtsphilosophie. Dabei entwickelte er eine Vorliebe für die chinesische Kultur und Philosophie. Besonders fühlte er sich von dem altchinesischen Staatsweisen Lao-tse und seiner Schrift Tao-te-king angezogen, die ihn weit über seinen Beruf als Rechtsanwalt in Karlsruhe hinaus beschäftigte. In mehr als 50-jähriger mühseliger Kleinarbeit übersetzte und deutete er rund 5000 Schriftzeichen aus dem chinesischen Urtext ins Deutsche. 
Während der Weimarer Zeit engagierte sich Edwin Müller in unterschiedlichen Parteien zunächst in Pforzheim, anschließend in Karlsruhe, um kommunalpolitisch Fußzufassen. Nach einer kurzen Episode als „Landesvater der badischen Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands (1924-1925)“ gelang es ihm schließlich als Nachrücker der Reichspartei für Volksrecht und Aufwertung von 1928-1930 in den Stadtrat von Karlsruhe einzuziehen. Über seiner beruflichen und wissenschaftlichen Arbeit waren ihm sein Heimatort und dessen Geschichte und soziale Probleme ständig gegenwärtig. Für sein vielseitiges Wirken, besonders für die eigenverantwortliche Schaffung und Bereitstellung von Räumen für den Kindergarten und die Schwesternwohnung, wurde ihm von Bauerbach das Ehrenbürgerrecht verliehen. Er starb am 23. November 1951 in Karlsruhe.