Deutsches Schutzengelmuseum

Bild aus dem Museum

Deutsches Schutzengel-Museum Bretten im Schweizer Hof

  • Linda Obhof
    • Melanchthonstraße - Fußgängerzone
    • Eingang: Engelsberg 9
  • 07252 97 28 00
  • 07252 97 32 12
  • schweizerhof@bretten.de

Öffnungszeiten: samstags, sonntags und feiertags von 11 - 17 Uhr

Eintritt frei!

DEUTSCHES SCHUTZENGEL-MUSEUM

Mittlerweile präsentiert das Deutsche Schutzengel-Museum Bretten auf zwei  Ebenen mehr als 400 einzelne Exponate zum Thema Schutzengel, Schutzgeister und Schutzgötter. Darunter befinden sich Originale aus sechs Jahrhunderten. Die Darstellungen sind unterschiedlichster Art, neben Holz-, Kupfer- und Stahlstichen, Ölgemälden, Lithographien, Ikonen, Büchern, Plakaten sowie historischen Fotos und Postkarten finden sich Porzellan-, Ton- und Holzstatuen, textile Arbeiten, Eisenguss, Schutzengelkerzen, Medaillen und vieles andere mehr. Vertreten sind dabei Bilder und Exponate aus dem katholischen, dem protestantischen und orthodoxen Bereich, dem Islam, dem Buddhismus, dem Hinduismus, den Indianerkulturen Nordamerikas und der antiken römischen Religion. Hinzu kommen mittlerweile auch verschiedene Bearbeitungen des Schutzengel-Themas aus den Bereichen der zeitgenössischen Kunst, der Musik, des Films und der Literatur. Die bestehende Sammlung wird durch verschiedene Ankäufe, aber nicht zuletzt auch durch Schenkungen und Dauerleihgaben von privater Seite laufend ergänzt und erweitert.

Der Eintritt ist frei.

Sonderführungen für Gruppen (ab 10 Personen) sind auch außerhalb der Öffnungszeiten jederzeit möglich.

Telefonische Anmeldung über die

Schutzengel und Schutzgeister: ein verbindendes Element zwischen den Religionen

Gegenseitiges Kennenlernen und Akzeptieren, Achtung vor dem jeweils „Anderen“ und das wechselseitige Gespräch mit dem andersgläubigen Gegenüber sind wesentliche Voraussetzungen für ein friedvolles Miteinander der Religionen. Was als ökumenischer Dialog der christlichen Konfessionen begann, gilt es angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung im Sinne eines interreligiösen Dialogs auf die nichtchristlichen Religionen zu erweitern.

Die Religionen der Welt weisen Verbindendes auf. Allen gemeinsam ist der Glaube an eine höhere, transzendente Wirklichkeit mit allen Konsequenzen für die diesseitige Ethik. Das vor allem ist es, was die Gläubigen aller Religionen, völlig unabhängig von der konkreten Form ihres Glaubens, von jenen Menschen unterscheidet, die jeden Glauben an einen Gott ablehnen und Lebenssinn allein in der materiell erfahrbaren Welt des Diesseits zu erkennen vermögen. Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen zeigen sich aber auch auf einer noch konkreteren Ebene. Es gibt Glaubenselemente sowie bestimmte religiöse Praktiken und Symbole, die sich in vielen Religionen wiederfinden. Gebetsschnüre z.B. gibt es in dieser oder jener Form im Christentum (Rosenkranz der Katholiken) und im Islam ebenso, wie im Buddhismus und im Hinduismus, ähnliches gilt für die Bedeutung von geweihtem Wasser. In Formen und Symbolen dieser Art offenbart sich eine gemeinsame Schnittmenge, die auf Zeiten lange vor der schriftlichen Fixierung bestimmter Lehren zurückgeht und auf Parallelen des religiösen Empfindens aller Gläubigen aller Religionen hinweist.

In besonderer Weise werden diese Gemeinsamkeiten bei Gestalt und Symbolik der Engel deutlich. In zahlreichen Religionen erscheinen Engel, geflügelte Wesen und Schutzgeister als Wesenheiten höherer Ordnung, die Boten Gottes oder der Götter sind und die Menschen leiten und beschützen. Kaum eine religiöse Vorstellung hat über Jahrtausende hinweg eine derart große Verbreitung gefunden. Somit sind Engel und verwandte Erscheinungen als religiöse Symbolgestalten „Gemeingut“ vieler Religionen. Man kann sie als ein verbindendes Ursymbol des Religiösen ansehen. Über Engel zu sprechen bedeutet daher stets, ein interreligiöses Phänomen zum Gegenstand zu haben und somit einen Zugang zur Glaubenswelt der „Anderen“ in den Blick zu nehmen.

Schutzengel in der jüdisch-christlichen Überlieferung

Engel sind in vielen Religionen Wesen, die Gott oder den Göttern zur Seite stehen, gleichwohl aber von ihnen unterschieden sind. Das Wort “Engel“ leitet sich vom lateinischen „angelus“ (= Bote) ab. In der Bibel werden Engel als Geschöpfe dargestellt, die zwischen Gott und den Menschen stehen. Derartige Vorstellungen finden sich bereits im Buch Genesis des Alten Testaments (1. Buch Mose). Bereits in der Spätantike lassen sich bildliche Darstellungen von Engeln finden, die im Laufe des Mittelalters eine Vielzahl von Erweiterungen in der Kunst fanden. Die „himmlischen Heerscharen“, die göttlichen Boten, waren und sind in Glauben und Kunst bis heute gegenwärtig.

Im Christentum ist vor allem in der Volksfrömmigkeit der Glaube an Schutzengel weit verbreitet. Unter einem Schutzengel versteht man ein Engelwesen, das einem einzelnen Menschen als persönlicher Beistand zur Seite gestellt ist und in Augenblicken von Not und Gefahr helfend eingreift. Ähnliche Vorstellungen von Engeln als „guten Engeln“ oder „Wächtern“ finden sich bereits im Alten Testament und damit in den religiösen Überlieferungen des Judentums. In diesem Sinne „hilfreiche Engel“ erscheinen auch im Neuen Testament, so unter anderem im Lukas- und im Matthäus-Evangelium und in der Apostelgeschichte. In der persönlichen Frömmigkeit des Hochmittelalters (11. Und 12. Jahrhundert) verbanden sich derartige biblischen Überlieferungen mit schutzmagischen Vorstellungen zum Bild des jedem Menschen individuell zugeordneten Schutzengels. Allmählich fand diese Entwicklung ihren Niederschlag auch in der theologischen Literatur, so z.B. bei Thomas von Aquin. Die Verehrung der Schutzengel in Europa entfaltete sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert, einer Zeit großer Umbrüchen und Veränderungen weiter. Das Mittelalter endete, die Neuzeit zog herauf, Entdeckungen und Erfindungen aller Art zerstörten das bisherige Weltbild und die damit verbundenen Sicherheiten. Dies beflügelte die Sehnsucht nach persönlichem Schutz und einem persönlichen Schutzengel.

Auch wenn bildliche Darstellungen von Schutzengeln vor allem in katholischen Gegenden hergestellt und gezeigt wurden, so waren sie doch seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in vielen Wohnstuben protestantischer Familien vertreten und ein prägendes Element für die Bilderwelt des vorletzten Jahrhundertswechsels.

Schutzengel in der europäischen Neuzeit

Das Geistesleben der europäischen Neuzeit war von der Reformation und der darauffolgenden Glaubensspaltung geprägt. Der Glaube an Schutzengel jedoch blieb, trotz unterschiedlicher Deutungen im Einzelnen, stets konfessionsübergreifend. So formulierte Martin Luther in den Schlusszeilen seines Morgen- und Abendsegens: „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“ Für ihn war der schützende Engel eine besonders anschauliche und personale Form der Gegenwart Gottes. Im katholischen Bereich erklärte Papst Klemens X. im Jahr 1670 den 2. Oktober zum „Tag der heiligen Schutzengel“. Als solcher wird er in der katholischen Kirche noch bis heute begangen.

Im 14. und 15. Jahrhundert erscheinen Engel als schützende Begleiter der Toten auf Grabmälern in Italien. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Darstellung des schützenden Erzengels Raphael mit dem kleinen Tobias ein beliebtes Motiv der italienischen Malerei, u.a. bei Tizian. Um 1600 entstehen Kupferstiche mit Darstellungen von Schutzengeln als Begleitern von Heiligen, z.B. der Hlg. Franziska Benedictina.

Im späten 17. Jahrhundert begann sich eine typische, rund zweihundert Jahre lang weit verbreitete Darstellung von Schutzengeln durchzusetzen. Dabei weist der Schutzengel, an Gottes Allmacht und an das notwendige Vertrauen auf den himmlischen Schutz erinnernd, mit einer Hand zum Himmel, während die andere Hand den jeweiligen Schutzbefohlenen hält. Symbolisch erscheint der Schutzengel damit als Mittler zwischen Himmel und Erde, Gott und Mensch. Der Schutzbefohlene selbst ist in vielen Fällen, aber keineswegs immer ein Kind. Von Schutzengeln geleitet und begleitet werden auf diesen Bildern auch Wanderer, Pilger, Heilige, Trauernde, usw.

Die Schutzengel-Bilder jener Zeit wurden überwiegend als Holzschnitte, Kupferstiche oder Radierungen, im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts zuweilen auch als Stahlstiche gedruckt. In manchen Fällen wurden sie von Hand koloriert. Sie repräsentieren eine lange Kontinuität des christlichen Schutzengel-Glaubens in den verschiedensten Ländern Europas und stehen zugleich für die ständige Präsenz dieses Glaubens in der abendländischen Kunst.

Schutzengeldarstellungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Im Jahre 1837 wurde mit der Chromolithographie (Farblithographie) ein neuartiges Druckverfahren eingeführt, das farbige Illustration von hoher Qualität und zugleich in Massenauflage ermöglichte. Mit diesem Verfahren wurde noch bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gearbeitet. Es lag nahe, dass diese neuen drucktechnischen Möglichkeiten auch bei der Herstellung von Schutzengel-Bildern eingesetzt wurden.

Zugleich förderte die bürgerliche Pädagogik des 19. Jahrhunderts eine bestimmte Art der Schutzengeldarstellung. Noch stärker, als in der Zeit davor, erschienen Schutzengel nun als Begleiter von Kindern, die von ihnen getröstet, bewacht, behütet, beobachtet und in Gefahrensituationen beschützt wurden. Die Bilder hatten nun oft sehr vordergründige Warnfunktionen: die Kinder sollten aus ihnen lernen, bestimmte gefährliche Situationen oder Verhaltensweisen zu vermeiden. Zugleich aber sollten sie auch Trost und Zuversicht aus dem im Bild enthaltenen Versprechen himmlischer Hilfe gewinnen.

Entsprechend gestaltete Schutzengel-Motive wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit Hilfe der Farblithographie massenhaft verbreitet. Als Erbauungsobjekte „eroberten“ farbige Schutzengel-Drucke die Wohnstuben, Schlaf- und Kinderzimmer. Ihre Verbreitung übersprang die Konfessionsgrenzen, Bilder dieser Art fanden sich in evangelischen und in katholischen Regionen. Neben Drucken von hoher gestalterischer Qualität entstanden in vielen Fällen auch solche, die das Schutzengel-Thema vulgarisierten und bis an die Grenze des Kitsches heranführten, wobei die Unterscheidung zwischen Kunst und Kitsch bis in die Gegenwart hinein allerdings immer umstritten war. Motive und Gestaltung der Schutzengel-Drucke jener Zeit prägen die gängige Vorstellung von Schutzengeln bis heute und sind wichtige Zeugnisse der Volksfrömmigkeit.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch Postkarten mit Schutzengelmotiven auf, wobei hier die Farblithographie rasch von der Fotografie verdrängt wurden. Entsprechend verkleidete Fotomodelle posierten dabei als „Schutzengel“. Sehr beliebt waren Schutzengel-Postkarten zur Erstkommunion, im protestantischen Bereich aber auch zur Konfirmation.

Schutzengel im Kriege

Die große Popularität und die weite Verbreitung des Schutzengelmotivs zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten einen Missbrauch für bestimmte politische Propagandazwecke zu einer naheliegenden Möglichkeit. Einen unmittelbaren Anlass dazu bot der 1914 beginnende Erste Weltkrieg. Schutzengel erschienen jetzt in zahlreichen Darstellungen, die einen kriegerischen Hintergrund hatten. Insbesondere auf Feldpostkarten, die von den Soldaten nach Hause geschickt wurden, finden sich immer wieder entsprechende Motive. Gezeigt wurden z.B. Soldaten im Schützengraben, beim Anlegen eines Gewehres oder beim Vorwärtsstürmen, hinter denen ein Schutzengel stand. Außer auf Feldpostkarten fanden sich Darstellungen dieser Art auch auf Wandbildern, in Form von Porzellanfiguren und in weiteren Gestaltungen.

Derartige Motive sollten den Angehörigen der Soldaten signalisieren, dass ihre „Lieben an der Front“ nicht allein stünden, sondern durch himmlische Hilfe vor dem Schlimmsten bewahrt würden. Gleichzeitig wurde aber auch an das religiöse Empfinden der Soldaten selbst appelliert und ihnen das Gefühl vermittelt, nicht ohne überirdischen Schutz im Kampf zu stehen. So hieß es denn auf einer mehrteiligen Postkartenserie, die den Titel „Des Kriegers Schutzengel“ trug, unter anderem:

  • Es möge Dir in Kriegeszeiten
  • Ein Engel stets zur Seite schreiten!

Dazu war das Bild eines jungen deutschen Soldaten zu sehen, der mit Gewehr im Anschlag gerade in Deckung ging und von einem hübschen, unverkennbar weiblichen Schutzengel interessiert beobachtet wurde.

Natürlich sollte mit Darstellungen und Parolen dieser Art auch das Gefühl vermittelt werden, für eine gerechte Sache im Felde zu stehen - nur deshalb auch sei himmlischer Schutz möglich. Allerdings gab es derartige Feldpostkarten mit Schutzengel-Motiven auf beiden Seiten der Front. Als die Gefallenenzahlen stiegen, entstanden Bilder für die Hinterbliebenen, auf denen ein Schutzengel an der Bahre oder am Grab des toten Soldaten stand.

Es lag auf der Hand, dass sich diese Art der Propaganda schnell abnutzte und ad absurdum führte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie nicht mehr eingesetzt.

Persönliche Engel im Islam

Den Engeln kommt im Islam eine große Bedeutung zu, weil nur durch sie den Propheten die göttlichen Offenbarungen übermittelt wurden. Die Engel wurden nach islamischem Glauben bereits vor den Menschen geschaffen, und zwar aus göttlichem Licht (dem „Nur“). In dieser Gestalt können sie aber lediglich von den Propheten gesehen werden. Engel können aber auf Gottes Befehl auch Menschengestalt und andere Formen annehmen.

Im Islam gibt es zahllose Engel. Sie essen, trinken und schlafen nicht und sie sind weder männlich noch weiblich. Sie sind ohne Sünde und ohne Neigung zum Bösen. Sie fürchten ihren Schöpfer und preisen ihn unablässig bei Tag und Nacht. Sie vollbringen alles, was ihnen befohlen wird.

Neben der Erzengeln, den Thronengeln (die den Thron Gottes tragen) sowie den Paradies- und Höllenengeln kennt der Islam auch helfende, schützende und den einzelnen Menschen persönlich zugeordnete Engel. Gläubige Muslime rechnen damit, ununterbrochen von den Engeln Gottes umgeben zu sein - zur Hilfe, zum Schutz, aber auch zur Kontrolle. Zugleich sind sie überzeugt von der Gegenwart anderer Geistwesen, der Dschinn. Nach islamischer Auffassung sind die Dschinn von Gott aus Feuer geschaffene intelligente Wesen. Sie werden damit von den aus Erde geschaffenen Menschen und den aus Licht geschaffenen Engeln unterschieden.

Persönliche Engel sind in der islamischen Glaubensüberlieferung vor allem die beiden „Ehrenhaften Schreiber“. Danach wird jeder Mensch sein gesamtes Leben hindurch von zwei Engeln begleitet. Der Engel zur Rechten schreibt alle guten Worte und Taten auf, der Engel zur Linken alles Schlechte. Diese Verzeichnisse der guten und bösen Taten werden den Menschen am Tag der Gerichts jeweils vorgelegt und sind entscheidend für das Urteil.

In der islamischen Kunst wird die bildliche Darstellung Gottes, der Engel und der Menschen aus religiösen Gründen abgelehnt. Stattdessen finden sich reich verzierte Malereien und Stickereien von einzelnen Abschnitten („Suren“) des Koran, die auch als Wandschmuck Verwendung finden.

Persönliche Schutzgeister im vorchristlichen Europa

Persönliche Schutzgeister, die den späteren Schutzengeln des Christentums ähnlich waren, gab es bereits in den vorchristlichen Religionen des alten Europa. Die Durchsetzung der christlichen Schutzengel-Vorstellung konnte zum Teil an diese früheren Vorstellungen anknüpfen und sich dadurch umso leichter durchsetzen.

In der Mythologie der griechischen Antike gab es die Gestalt des Daimon, deren Namen sich von „daimonion“ (= Schicksal oder Gewissen) ableitete. Jeder Mensch hatte seinen Daimon, der ihn das ganze Leben hindurch begleitete. Der Begriff des „Daimon“ wurde in späteren Zeiten ins Negative gewendet und im Sinne des heutigen Begriffes „Dämon“ verwendet.

In der römischen Mythologie begegnen uns gleich mehrere Wesenheiten, die Hilfs- oder Schutzfunktionen für die einzelne Person, ihre Sippe oder bestimmte Örtlichkeiten wahrnehmen. Eine von ihnen ist der Genius, den allerdings nur Männer besaßen. Der Genius wohnte jedem Mann inne und war sein personal gedachtes inneres Wirkungsprinzip. Mit dem Tod des Mannes starb auch sein Genius.

Weitere Schutzgeister der Römer waren die Laren (lateinisch: lares familiaris). In jedem Haus gab es ein Lararium, d.h. einen den Laren geweihten Altar, auf dem sie verehrt wurden. Weitere Laren waren die lares loci (als Schutzgeister eines bestimmten Platzes) und die lares publici (als Schutzgeister ganzer Ortschaften). In den römischen Glaubensvorstellungen eng mit den Laren verwandt waren die Penaten (lateinisch: dii penates), die vor allem Schutzfunktionen für den Haushalt und seine Vorräte wahrnahmen. Vorstellungen von Hausgeistern ähnlicher Art existierten auch in anderen vorchristlichen Religionen Europas, unter anderem bei den Finnen sowie bei verschiedenen slawischen und baltischen Völkern.

In der Mythologie der Germanen gab es die Fylgien (Folgegeister). Sie begleiteten den Menschen vom Augenblick der Geburt an und hatten Funktionen des Schutzes, aber auch der Ankündigung von schicksalhaften Ereignissen. Eng verwandt mit ihnen sind in der germanischen Glaubenswelt die Hamingjas, die in Form eines vom Körper losgelösten Seelenwesens das personifizierte Glück eines Menschen darstellen.

Schutzwesen in asiatischen Religionen

Die Glaubenswelt der Völker Ost- und Südasiens ist von einer großen Vorstellungsvielfalt gekennzeichnet. Doch werden in dieser Vielfalt immer wieder bestimmte Ähnlichkeiten und Parallelen sichtbar, nicht zuletzt auch beim Blick auf dort vorhandene Schutzwesen.

Der Hinduismus in Indien und verschiedenen Nachbarstaaten kennt neben den Hauptgöttern Brahma, Shiva und Vishnu zahlreiche weitere Götter, unterschiedliche Inkarnationen von Göttern und halbgöttliche Wesen („Devas“). Nicht wenige dieser überirdischen Wesenheiten nehmen ausgesprochene Schutzfunktionen ein.

Eine exakte Entsprechung zur abendländischen Schutzengel-Vorstellung gibt es im Hinduismus nicht. Dem Bild des Schutzengels oder persönlichen Schutzgeistes am nächsten kommen bestimmte örtliche Gottheiten und Devas, die jeweils einzelnen Dörfern, Hausplätzen oder Sippen zugeordnet sind. Hier verschwimmen die Grenzen einerseits zur christlichen Vorstellung von Schutzheiligen / Schutzpatronen (die ebenfalls Schutzfunktionen für ganze Orte wahrnehmen) und andererseits zu vorchristlichen Glaubensüberzeugungen der Antike (z.B. zu den römischen Laren und Penaten). Die Orts-, Haus- und Sippengötter des Hinduismus werden an Hausschreinen verehrt und z.T. durch Bronzefiguren dargestellt.

Ein Beispiel für ein Schutzwesen der indischen Mythologie ist der Garuda. Er ist halb Mensch und halb Adler und gilt als Reittier und zugleich als eine von vielen Inkarnationen des Gottes Vishnu. Im thailändischen Buddhismus, der viele mythologische Elemente aus dem Hinduismus übernommen hat, gilt er als Emblem und als Beschützer des gegenwärtigen Königshauses.

Auch der Buddhismus kennt keine Schutzengel im abendländischen Verständnis, doch werden auch hier bestimmte Vorstellungen von Schutzwesen deutlich. Der Begriff „Buddha“ bezieht sich nicht allein auf den historischen Buddha Siddharta Gautama, sondern bedeutet „Erwachter“ oder „Erleuchteter“. Daher kennt der Buddhismus zahlreiche Buddhas, die als Verkörperung verschiedener Aspekte - insbesondere auch von Schutzaspekten - dargestellt werden. Um Menschen vor Leiden schützen zu können, muss man selbst jenseits aller Leiden stehen - ein „Erleuchteter“, ein Buddha sein.

Schutzgeister in den Religionen der Indianer

In den Stammesreligionen der indianischen Ureinwohner Amerikas finden sich in ausgeprägter Weise zahlreiche Vorstellungen von Schutzgeistern einzelner Personen und Dorfgemeinschaften.

Bei vielen indianischen Völkern (aber z.B. auch bei den Ureinwohnern Australiens und bei verschiedenen afrikanischen Stämmen) gibt es den Glauben an den Totem, ein Wesen, von dem die jeweilige Person oder ihre Sippe abstammt. Das Wort „Totem“ selbst kommt aus der Sprache der Algonkin im Süden Kanadas. Seinen Totem hat ein Mensch immer von Geburt an, er kommt entweder aus der väterlichen oder mütterlichen Seite seiner Vorfahren zu ihm. Er ist das ganze Leben hindurch persönlicher Helfer und Schutzgeist. Er kann Tiergestalt annehmen, der Verzehr der entsprechenden Tiere ist mit einem Tabu, einem absoluten Verbot, belegt. Wird das Tabu gebrochen, erlischt der persönliche Schutz des Totem.

Das Volk der Hopi im Südwesten der USA verehrt im Rahmen besonderer religiöser Zeremonien die Kachina, die - ähnlich wie Engel - als Mittler zwischen den Göttern und den Menschen gelten. Den Kachina werden vielfältige Hilfs- und Schutzfunktionen zugeschrieben. Bei den Ritualen der Hopi werden die Kachina durch vielfältig kostümierte Tänzer dargestellt. Daneben gibt es zahlreiche kleine Puppen, die meist aus dem Holz der Pappelwurzel geschnitzt und dann bemalt und verziert werden. Auch diese Puppen verkörpern die Kachina mit ihrer besonderen Schutzkraft.

Die Irokesen im Osten Nordamerikas glauben an die „Strohgesichter“, ein übernatürliches Volk, dass nach den Überlieferungen der Stämme auf der anderen Seite der Erde lebt. Sie sollen den Menschen einst die wesentlichen Kenntnisse der Jagd und des Ackerbaus beigebracht haben und ihnen zweimal im Jahr erscheinen. Maisstrohmasken, die zu bestimmten rituellen Anlässen gezeigt oder getragen werden, sollen die geheimnisvollen „Strohgesichter“ mit ihren Schutz- und Hilfsfunktionen symbolisieren. Die Aufführung ritueller Tänze mit den Strohgesicht-Masken obliegt einem besonderen Bund von Stammesmitgliedern, dessen Angehörigen auch Heilkräfte zugesprochen werden. Allerdings sind die „Strohgesichter“ keine individuell zugeordneten Schutzwesen, sondern Helfer des gesamten Stammes.