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Schutzwesen in asiatischen Religionen
Die Glaubenswelt der Völker Ost- und Südasiens ist von einer großen Vorstellungsvielfalt gekennzeichnet. Doch werden in dieser Vielfalt immer wieder bestimmte Ähnlichkeiten und Parallelen sichtbar, nicht zuletzt auch beim Blick auf dort vorhandene Schutzwesen.
Der Hinduismus in Indien und verschiedenen Nachbarstaaten kennt neben den Hauptgöttern Brahma, Shiva und Vishnu zahlreiche weitere Götter, unterschiedliche Inkarnationen von Göttern und halbgöttliche Wesen („Devas“). Nicht wenige dieser überirdischen Wesenheiten nehmen ausgesprochene Schutzfunktionen ein.
Eine exakte Entsprechung zur abendländischen Schutzengel-Vorstellung gibt es im Hinduismus nicht. Dem Bild des Schutzengels oder persönlichen Schutzgeistes am nächsten kommen bestimmte örtliche Gottheiten und Devas, die jeweils einzelnen Dörfern, Hausplätzen oder Sippen zugeordnet sind. Hier verschwimmen die Grenzen einerseits zur christlichen Vorstellung von Schutzheiligen / Schutzpatronen (die ebenfalls Schutzfunktionen für ganze Orte wahrnehmen) und andererseits zu vorchristlichen Glaubensüberzeugungen der Antike (z.B. zu den römischen Laren und Penaten). Die Orts-, Haus- und Sippengötter des Hinduismus werden an Hausschreinen verehrt und z.T. durch Bronzefiguren dargestellt.
Ein Beispiel für ein Schutzwesen der indischen Mythologie ist der Garuda. Er ist halb Mensch und halb Adler und gilt als Reittier und zugleich als eine von vielen Inkarnationen des Gottes Vishnu. Im thailändischen Buddhismus, der viele mythologische Elemente aus dem Hinduismus übernommen hat, gilt er als Emblem und als Beschützer des gegenwärtigen Königshauses.
Auch der Buddhismus kennt keine Schutzengel im abendländischen Verständnis, doch werden auch hier bestimmte Vorstellungen von Schutzwesen deutlich. Der Begriff „Buddha“ bezieht sich nicht allein auf den historischen Buddha Siddharta Gautama, sondern bedeutet „Erwachter“ oder „Erleuchteter“. Daher kennt der Buddhismus zahlreiche Buddhas, die als Verkörperung verschiedener Aspekte – insbesondere auch von Schutzaspekten – dargestellt werden. Um Menschen vor Leiden schützen zu können, muss man selbst jenseits aller Leiden stehen – ein „Erleuchteter“, ein Buddha sein.


