Persönliche Schutzgeister im vorchristlichen Europa
Persönliche Schutzgeister, die den späteren Schutzengeln des Christentums ähnlich waren, gab es bereits in den vorchristlichen Religionen des alten Europa. Die Durchsetzung der christlichen Schutzengel-Vorstellung konnte zum Teil an diese früheren Vorstellungen anknüpfen und sich dadurch umso leichter durchsetzen.
In der Mythologie der griechischen Antike gab es die Gestalt des Daimon, deren Namen sich von „daimonion“ (= Schicksal oder Gewissen) ableitete. Jeder Mensch hatte seinen Daimon, der ihn das ganze Leben hindurch begleitete. Der Begriff des „Daimon“ wurde in späteren Zeiten ins Negative gewendet und im Sinne des heutigen Begriffes „Dämon“ verwendet.
In der römischen Mythologie begegnen uns gleich mehrere Wesenheiten, die Hilfs- oder Schutzfunktionen für die einzelne Person, ihre Sippe oder bestimmte Örtlichkeiten wahrnehmen. Eine von ihnen ist der Genius, den allerdings nur Männer besaßen. Der Genius wohnte jedem Mann inne und war sein personal gedachtes inneres Wirkungsprinzip. Mit dem Tod des Mannes starb auch sein Genius.
Weitere Schutzgeister der Römer waren die Laren (lateinisch: lares familiaris). In jedem Haus gab es ein Lararium, d.h. einen den Laren geweihten Altar, auf dem sie verehrt wurden. Weitere Laren waren die lares loci (als Schutzgeister eines bestimmten Platzes) und die lares publici (als Schutzgeister ganzer Ortschaften). In den römischen Glaubensvorstellungen eng mit den Laren verwandt waren die Penaten (lateinisch: dii penates), die vor allem Schutzfunktionen für den Haushalt und seine Vorräte wahrnahmen. Vorstellungen von Hausgeistern ähnlicher Art existierten auch in anderen vorchristlichen Religionen Europas, unter anderem bei den Finnen sowie bei verschiedenen slawischen und baltischen Völkern.
In der Mythologie der Germanen gab es die Fylgien (Folgegeister). Sie begleiteten den Menschen vom Augenblick der Geburt an und hatten Funktionen des Schutzes, aber auch der Ankündigung von schicksalhaften Ereignissen. Eng verwandt mit ihnen sind in der germanischen Glaubenswelt die Hamingjas, die in Form eines vom Körper losgelösten Seelenwesens das personifizierte Glück eines Menschen darstellen.

24. Brettener Weinmarkt
