Schutzengel im Kriege

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Die große Popularität und die weite Verbreitung des Schutzengelmotivs zu Beginn des 20. Jahrhunderts machten einen Missbrauch für bestimmte politische Propagandazwecke zu einer naheliegenden Möglichkeit. Einen unmittelbaren Anlass dazu bot der 1914 beginnende Erste Weltkrieg. Schutzengel erschienen jetzt in zahlreichen Darstellungen, die einen kriegerischen Hintergrund hatten. Insbesondere auf Feldpostkarten, die von den Soldaten nach Hause geschickt wurden, finden sich immer wieder entsprechende Motive. Gezeigt wurden z.B. Soldaten im Schützengraben, beim Anlegen eines Gewehres oder beim Vorwärtsstürmen, hinter denen ein Schutzengel stand. Außer auf Feldpostkarten fanden sich Darstellungen dieser Art auch auf Wandbildern, in Form von Porzellanfiguren und in weiteren Gestaltungen.

Derartige Motive sollten den Angehörigen der Soldaten signalisieren, dass ihre „Lieben an der Front“ nicht allein stünden, sondern durch himmlische Hilfe vor dem Schlimmsten bewahrt würden. Gleichzeitig wurde aber auch an das religiöse Empfinden der Soldaten selbst appelliert und ihnen das Gefühl vermittelt, nicht ohne überirdischen Schutz im Kampf zu stehen. So hieß es denn auf einer mehrteiligen Postkartenserie, die den Titel „Des Kriegers Schutzengel“ trug, unter anderem:
Es möge Dir in Kriegeszeiten
Ein Engel stets zur Seite schreiten !

Dazu war das Bild eines jungen deutschen Soldaten zu sehen, der mit Gewehr im Anschlag gerade in Deckung ging und von einem hübschen, unverkennbar weiblichen Schutzengel interessiert beobachtet wurde.

Natürlich sollte mit Darstellungen und Parolen dieser Art auch das Gefühl vermittelt werden, für eine gerechte Sache im Felde zu stehen – nur deshalb auch sei himmlischer Schutz möglich. Allerdings gab es derartige Feldpostkarten mit Schutzengel-Motiven auf beiden Seiten der Front. Als die Gefallenenzahlen stiegen, entstanden Bilder für die Hinterbliebenen, auf denen ein Schutzengel an der Bahre oder am Grab des toten Soldaten stand.

Es lag auf der Hand, dass sich diese Art der Propaganda schnell abnutzte und ad absurdum führte. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie nicht mehr eingesetzt.