Schutzengeldarstellungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

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Im Jahre 1837 wurde mit der Chromolithographie (Farblithographie) ein neuartiges Druckverfahren eingeführt, das farbige Illustration von hoher Qualität und zugleich in Massenauflage ermöglichte. Mit diesem Verfahren wurde noch bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gearbeitet. Es lag nahe, dass diese neuen drucktechnischen Möglichkeiten auch bei der Herstellung von Schutzengel-Bildern eingesetzt wurden.

Zugleich förderte die bürgerliche Pädagogik des 19. Jahrhunderts eine bestimmte Art der Schutzengeldarstellung. Noch stärker, als in der Zeit davor, erschienen Schutzengel nun als Begleiter von Kindern, die von ihnen getröstet, bewacht, behütet, beobachtet und in Gefahrensituationen beschützt wurden. Die Bilder hatten nun oft sehr vordergründige Warnfunktionen: die Kinder sollten aus ihnen lernen, bestimmte gefährliche Situationen oder Verhaltensweisen zu vermeiden. Zugleich aber sollten sie auch Trost und Zuversicht aus dem im Bild enthaltenen Versprechen himmlischer Hilfe gewinnen.

Entsprechend gestaltete Schutzengel-Motive wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit Hilfe der Farblithographie massenhaft verbreitet. Als Erbauungsobjekte „eroberten“ farbige Schutzengel-Drucke die Wohnstuben, Schlaf- und Kinderzimmer. Ihre Verbreitung übersprang die Konfessionsgrenzen, Bilder dieser Art fanden sich in evangelischen und in katholischen Regionen. Neben Drucken von hoher gestalterischer Qualität entstanden in vielen Fällen auch solche, die das Schutzengel-Thema vulgarisierten und bis an die Grenze des Kitsches heranführten, wobei die Unterscheidung zwischen Kunst und Kitsch bis in die Gegenwart hinein allerdings immer umstritten war. Motive und Gestaltung der Schutzengel-Drucke jener Zeit prägen die gängige Vorstellung von Schutzengeln bis heute und sind wichtige Zeugnisse der Volksfrömmigkeit.

Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch Postkarten mit Schutzengelmotiven auf, wobei hier die Farblithographie rasch von der Fotografie verdrängt wurden. Entsprechend verkleidete Fotomodelle posierten dabei als „Schutzengel“. Sehr beliebt waren Schutzengel-Postkarten zur Erstkommunion, im protestantischen Bereich aber auch zur Konfirmation.