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Schutzengel in der jüdisch-christlichen Überlieferung
Engel sind in vielen Religionen Wesen, die Gott oder den Göttern zur Seite stehen, gleichwohl aber von ihnen unterschieden sind. Das Wort “Engel“ leitet sich vom lateinischen „angelus“ (= Bote) ab. In der Bibel werden Engel als Geschöpfe dargestellt, die zwischen Gott und den Menschen stehen. Derartige Vorstellungen finden sich bereits im Buch Genesis des Alten Testaments (1. Buch Mose). Bereits in der Spätantike lassen sich bildliche Darstellungen von Engeln finden, die im Laufe des Mittelalters eine Vielzahl von Erweiterungen in der Kunst fanden. Die „himmlischen Heerscharen“, die göttlichen Boten, waren und sind in Glauben und Kunst bis heute gegenwärtig.
Im Christentum ist vor allem in der Volksfrömmigkeit der Glaube an Schutzengel weit verbreitet. Unter einem Schutzengel versteht man ein Engelwesen, das einem einzelnen Menschen als persönlicher Beistand zur Seite gestellt ist und in Augenblicken von Not und Gefahr helfend eingreift. Ähnliche Vorstellungen von Engeln als „guten Engeln“ oder „Wächtern“ finden sich bereits im Alten Testament und damit in den religiösen Überlieferungen des Judentums. In diesem Sinne „hilfreiche Engel“ erscheinen auch im Neuen Testament, so unter anderem im Lukas- und im Matthäus-Evangelium und in der Apostelgeschichte. In der persönlichen Frömmigkeit des Hochmittelalters (11. Und 12. Jahrhundert) verbanden sich derartige biblischen Überlieferungen mit schutzmagischen Vorstellungen zum Bild des jedem Menschen individuell zugeordneten Schutzengels. Allmählich fand diese Entwicklung ihren Niederschlag auch in der theologischen Literatur, so z.B. bei Thomas von Aquin. Die Verehrung der Schutzengel in Europa entfaltete sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert, einer Zeit großer Umbrüchen und Veränderungen weiter. Das Mittelalter endete, die Neuzeit zog herauf, Entdeckungen und Erfindungen aller Art zerstörten das bisherige Weltbild und die damit verbundenen Sicherheiten. Dies beflügelte die Sehnsucht nach persönlichem Schutz und einem persönlichen Schutzengel.
Auch wenn bildliche Darstellungen von Schutzengeln vor allem in katholischen Gegenden hergestellt und gezeigt wurden, so waren sie doch seit Ende des 19. Jahrhunderts auch in vielen Wohnstuben protestantischer Familien vertreten und ein prägendes Element für die Bilderwelt des vorletzten Jahrhundertswechsels.


