HISTORISCHER BODEN – BEKANNTE NAMEN

Im Laufe der Geschichte weilten immer wieder „Prominente“ auf dem Brettener Marktplatz

Der Brettener Weinmarkt: seit Jahren ein Schaufenster der Weinkultur für die ganze Region und zugleich ein beliebter Treffpunkt für zahlreiche Besucher aus Nah und Fern. Der Marktplatz aber, auf dem die Stände und Lauben des Weinmmarktes besucht und die Weine aus Kraichgau und Stromberg, Zabergäu und Heuchelberg verkostet werden können, war schon immer ein beliebter „Anlaufpunkt“ und Aufenthaltsort, auch für Persönlichkeiten, die Geschichte und Geistesleben in Europa nachhaltig prägten.

Besonders deutlich wird dies an dem großen Sandsteinbau, der sich an der Südseite des Marktplatzes erhebt und alle anderen Häuser überragt: dem Melanchthonhaus. Es wurde 1897 bis 1903 an der Stelle errichtet, an dem früher einmal das Geburtshaus des Reformators und Humanisten Philipp Melanchthon stand. Seine Kindheitsjahre verbrachte Melanchthon, der ursprünglich Philipp Schwartzerdt hieß, hier am Brettener Marktplatz, ehe er 1508 zu Verwandten nach Pforzheim zog, um dort die Lateinschule zu besuchen. Doch auch später, nachdem er längst Professor an der Universität Wittenberg und engster Mitarbeiter Martin Luthers geworden war, kehrte Melanchthon noch mehrmals zu Besuchen in das Haus am Brettener Marktplatz zurück.

Im Jahre 1550 hatte der Brettener Marktplatz sogar kaiserlichen Besuch. Kaiser Karl V., Herr über das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, über Spanien und über die spanischen Kolonien in der neuen Welt, weilte zur Rast in Bretten. Quartier nahm der Monarch, in dessen zwei Kontinente umspannenden Reich die Sonne nie unterging, in der Gastherberge „Zur Krone“ unmittelbar am Marktplatz. Das Gedeihen dieses wohl traditionsreichsten Brettener Gasthauses hing seinerzeit nicht zuletzt mit der Tatsache zusammen, dass Bretten am Schnittpunkt mehrerer überörtlicher Fernhandelsstraßen lag.

Nur wenige Meter entfernt, im damaligen Gasthaus „Zum Ritter“ (der alten Brettener Posthalterei, Haus Marktplatz 12) machte eine andere später berühmte Persönlichkeit 1782 gleich zweimal Station: Friedrich Schiller. Im September jenes Jahres, auf seiner Flucht von Württemberg nach Mannheim, war es nur ein kurzer Aufenthalt zu Pferdewechsel, doch im November traf sich der Dichter gleich für mehrere Tage mit Mutter und Schwester am Brettener Marktplatz.

Viele weitere „Prominente“ waren im Laufe der Jahrhunderte mal mehr, mehr weniger lange auf dem Brettener Marktplatz zu Gast: Dichter und Wissenschaftler, Politiker und Künstler. Zum Melanchthon-Jubiläumsjahr 1997 war es zum Beispiel der spätere Bundespräsident Johannes Rau, der anlässlich einer Vortragsveranstaltung im Melanchthonhaus den Marktplatz besuchte. Gewiss hat der eine oder andere dieser bekannten Besucher auf dem Brettener Marktplatz auch ein Gläschen Wein aus der Region probiert – so wie Zehntausende alljährlich beim Weinmarkt tun.


Dr. Peter Bahn
Leiter des Stadtmuseums Bretten